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Früher, als die Familien noch größer waren und das Brot als Laib gekauft wurde, war in jedem Haushalt ein Brotkasten zu finden. Nun, die Familien wurden kleiner und im Laufe der Zeit ging man dazu über, auch das Brot in kleineren Mengen einzukaufen, mitunter sogar scheibchenweise. Das führte zum so genannten Brotkastenproblem. Sie wissen schon: die frischen Backwaren landen auf dem Tisch, die Einkäufe vom Vortag will niemand mehr haben.
Der Zweiklappenbrotkasten schien eine gute Idee zu sein. Auf der linken Seite sollte das neue Brot eingelegt, nach rechts durchgeschoben und dort in der Reihenfolge der Befüllung entnommen werden - ein System, das gut funktioniert, wenn sich alle an die Regeln halten - also nie.
Um das Verfahren narrensicher zu machen, schlug die mit der Vermarktung beauftragte Firma eine konsequente Trennung von Reintu- und Raushol- Brotkasten vor, eine Lösung, die wegen ihrer logischen Eleganz hauptsächlich bei den ehemaligen Computerprogrammierern im Team auf großen Anklang stieß, später jedoch wieder fallen gelassen wurde, weil in den engen Küchen nicht allzu viele Brotkästen Platz finden. Außerdem, sagte man sich, halten die Kästen trotz Sollbruchstelle ewig - und wer kauft schon ein neues Küchending ohne Klingelton?
Man wollte den Auftrag grad’ feierlich mit Bier und Currywurst zu Grabe tragen, als sich die Praktikantin, der die jüngeren Geschwister schon wieder das Sparschwein ausgeraubt hatten, zu Wort meldete. Eine gute Idee ist eine gute Idee, sagte sie, schade, dass unser Auftraggeber keine Sparschweine herstellt. Stellt euch doch mal vor: Das Reintu-Sparschwein zu Hause, das Ausgabe-Sparschwein sicher im Tresor. Die Leute würden die Kontrolle über ihre Ersparnisse verlieren, war ein Einwand, der auch die Banker im Team hellhörig werden ließ. Sie stimmten freudig zu. Die Praktikantin, der gar nicht recht bewusst war, was sie aus Sorge um ihr Kleingeld in Gang gesetzt hatte, gab zu bedenken, das jeder, der ein funktionierendes Schwein haben wolle, zwei davon kaufen müsse. Die Antwort ging ein wenig im Jubel unter, aber sie wurde zum König befördert, setzte sich in die Ecke und änderte die Preisstruktur so, das die Leute sogar drei Schweine kaufen würden. Nach ihrer Wahl zum Oberkönig trieb sie es dann auf die Spitze. Vier, sagte sie und wurde zum Kaiser ernannt, obwohl der Gedanke vor dem Brotkastenhintergrund eigentlich nahe liegend war: Ein Sparschwein zu Hause, eines beim Bäcker, eines beim Bäcker und eines zu Hause - man wirft ein paar Münzen ein, der Bäcker entnimmt sie, zwängt eine Scheibe Brot durch den Geldschlitz und augenblicklich hat man frische Brotkrümel zur Hand - mit Milch oder Honig übergossen eine Köstlichkeit. Ja, sagte man sich, das ist die neue, die moderne Form des Brotkastens. Die Tatsache, dass der Slogan irgendwie klebrig klang, wurde dabei übersehen.
...und so geht es weiter
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